zur Startseite
Schlafapnoe
   
Patientenrechte
   
Fakten
   
Fragen und Antworten
   
Testen Sie sich auf eine Schlafstörung mit dem kurzen Epworth-Test. Hier klicken!
Literaturtipps
   
Linklisten
   

Schlafapnoe aus der Sicht des Lebenspartners

Schlafapnoe aus der Sicht des Lebenspartners

Das laute Schnarchen, die häufige Aggressivität, später dann der allnächtliche Anblick des Partners mit dem CPAP-Gerät ...

Wer an einer unbehandelten Schlafapnoe leidet, verändert sich – und zwar zum Negativen. Man reagiert reizbarer, ist leicht verstimmt, wird vergesslich. Das Konzentrationsvermögen leidet. Es kommt häufiger zu Unfällen. Bei Männern ist oft auch die sexuelle Potenz beeinträchtigt.

Schlimm für den, der das am eigenen Körper erlebt. Und wie ist es für den, der dabei zusehen muss? Wohin mit den beunruhigenden Beobachtungen, der Enttäuschung, der Ohnmacht? Als Psychologin möchte ich dieses komplizierte Erleben entschlüsseln. Und da es sich – wie immer in Konfliktsituationen – um mehrschichtige Gefühle handelt, berechtigte und scheinbar böse Gedanken nebeneinander existieren, geht dies am leichtesten anhand eines Märchens. Denn Märchen erzählen von Dingen, die uns Menschen schon vor Jahrhunderten bewegten und immer noch bewegen. Sie trösten uns, indem sie daran erinnern: Es ist alles schon einmal gelebt, gefühlt und gesagt worden. Märchen spiegeln typisch menschliche Lebensmuster wider, Umbruchsituationen und schwierige Wandlungsphasen. Dank ihrer Einfachheit erscheinen aber selbst vielschichtige seelische Prozesse in einem klaren Licht.

Krankheit als Herausforderung
So kann das Märchen »Der Froschkönig« eine positive Anleitung geben, wie wir uns verhalten können, wenn ein geliebter Mensch sich neben uns verändert. Das Märchen zeigt, wie eine Krankheit uns herausfordert und unser Leben verändert – und wie sie auch eine Wandlung beim mitbetroffenen Partner erzwingt, sozusagen eine indirekte Reifung, oft wider Willen. Zu Beginn der Handlung ist eine schöne, unbeschwerte Prinzessin im Wald neben dem Schloss ihres Vaters in das Spiel mit einer goldenen Kugel vertieft. Dieses Spielzeug steht in mehrfacher Hinsicht als Symbol für ihr Glück: rund, golden und kindlich-naiv. Doch das kindliche Glück ist nicht von langer Dauer: Die Kugel rollt ins Wasser. So wie mit dem schleichenden Beginn einer Krankheit zwangsläufig deren negative Begleiterscheinungen immer mehr in den Alltag einziehen: Die Paradieswelt bekommt Sprünge.
Erst sehr viel später wird klar, dass mit diesem plötzlichen Unglück letztendlich aber auch das Glück, die Reifung der Hauptperson, beginnt. Auch die sich verändernde Persönlichkeit eines Menschen mit Schlafapnoe ist der Verlust von etwas Schönem. Alles, was wir leben, geht irgendwann einmal zu Ende. Und das Neue, das dann entsteht, ist auch nicht das Letzte, sondern nur wieder eine neue Etappe.

Der »garstige Frosch«
Die negativen Veränderungen beim Partner, das Nicht-ignorieren-Können der krankheitsbedingten Folgen, die Trauer darüber und auch die zwangsweise Übernahme von größerer Verantwortung vermindern die realistische Selbsteinschätzung der Partnerin. Sie entwickelt ein Ich-Ideal, das sie verblendet und die Defizite des Partners noch mehr herauskehrt. Mit der Zeit steigen vermehrt Aversionen gegen die krankheitsbedingten Veränderungen des Partners in ihr auf. Viele Apnoiker haben oder entwickeln die typische Statur: deutliches Übergewicht, Bauch, kurzer Hals und Doppelkinn, schwerfälligere Bewegungen.

Die Schuld scheint geklärt: Der andere isst zu viel, er achtet nicht auf sich, ist gereizt, lustlos, und aufgrund manch offensichtlichen Fehlverhaltens entwickelt die gesunde Partnerin das »Patentrezept« für den Erkrankten.
Auch im Märchen werden die Entwertungsversuche der Prinzessin ihrem Heiratskandidaten gegenüber offenkundig: Sie nennt ihn »garstiger Frosch«, will nicht vom gleichen Tellerchen mit ihm essen und nicht im gleichen Bettchen mit ihm schlafen. Sie scheut sich vor zu viel Nähe und Intimität mit einem so gar nicht idealen Schicksalsgenossen.

Was du versprochen hast, musst du auch halten
Doch nun kommt die väterliche Ermahnung, der Helfer, die innere Stimme, die Vernunft ins Spiel: Der Vater befiehlt der Prinzessin, ihr Versprechen gegenüber dem Frosch zu halten. Zwei Bewohner sollte unser Seelenschloss beherbergen: das verwirrende Gefühl und die klare Vernunft. Reines Gefühl ohne Kontrolle durch den Verstand wäre verheerend. Aber auch da, wo Vernunft allein waltet, ist sie eine einschränkende, lebensverneinende Kraft. Mit dem Einschreiten des Vaters deutet sich der Höhepunkt der Krise, aber auch die Wende und Verwandlung an. Es kommt zu einem aggressiven Ausbruch: Als der Frosch von der Prinzessin verlangt, dass sie ihn in ihr Bett lässt, wirft sie ihn vor Wut an die Wand.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht
Was im Märchen mit dem aggressiven Akt des An-die-Wand-Schleuderns ausgelöst wird, nämlich dass sich der Frosch in einen Prinzen verwandelt – diesen Unterschied »wie Tag und Nacht« beschreiben Apnoiker und Angehörige tatsächlich nach der Einleitung einer CPAP-Therapie. Tagesschläfrigkeit und andere Defizite gehören plötzlich der Vergangenheit an. Die Nachteile der Therapie werden angesichts der Vorteile in Kauf genommen. Und nicht selten sind es tatsächlich die Partner, die – wie sich im Nachhinein bei Befragungen zeigt – den Anstoß zur Therapie gaben. Wie die Königstochter im Märchen sind sie es, die dem Partner zur Veränderung verhelfen.
Die zentrale Botschaft des Märchens ist die innere Wandlung der schönen Prinzessin. Bevor der kranke Partner sich ändert, hat sein Gegenüber einen Wandel vollzogen und ist unter dem Druck der Verhältnisse gereift. Noch ehe der Frosch sich verwandelt, hat die Königstochter eine Verwandlung durchgemacht und ist erwachsen geworden. Auch in der Beziehung zwischen dem nun therapierten Schlafapnoiker und seiner Partnerin profitieren beide: Auch die Partnerin kann jetzt besser einschlafen, ist tagsüber wacher, leidet weniger an Ängsten und Depressionen. Die geänderte Befindlichkeit des Patienten wirkt sich auch auf seine Umgebung positiv aus. Die Hochzeit wird gefeiert: Ein neuer Lebensabschnitt kann beginnen.

Aus Liebe zueinander reifen...
Die Poesie der Liebe im Leben zu verwirklichen – dies und nichts anderes können und wollen die Märchen uns lehren. Bis auf wenige Ausnahmen sind Märchen Geschichten der Sehnsucht nach Liebe und des Reifens aus Liebe. Aber sie legen Nachdruck auf eine lange und schwierige Entwicklung, die – z. B. bei Krankheit eines Lebenspartners – nur unter Anstrengung gelingt. Und am Ende kann es sein, dass genau das, was einem einmal als »tierische« Belastung vorkam, zur Quelle des Glücks wird.

In einer 2001 durchgeführten Studie wurden Schlafapnoiker und deren LebenspartnerInnen gebeten, ihre Einschlafneigung bei Tag, Ängstlichkeit und Depressivität anhand einer Schläfrigkeitsskala (der Epworth Sleepiness Scale) zu bewerten. Das Ergebnis: Einschlafneigung, Ängste und Depressionen nahmen nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den PartnerInnen nach Aufnahme einer CPAP-Therapie deutlich ab.


Quelle: Das Schlafmagazin, www.dasschlafmagazin.de



Adressen zu Selbsthilfegruppen und Schlaflaboren finden Sie in unseren Linklisten. weiter...


© IGS | Impressum | E-Mail | Produced by kitz.kommunikation


 



Dipl.-Psych. Sabine Eller

Dipl.-Psych. Sabine Eller
Leiterin des Schlaflabors
der Klinik Schillerhöhe

Solitudestraße 18
70839 Gerlingen
Fon 0 71 56 20 30
E-Mail info@klinik- schillerhoehe.de